Eine Kindheitserinnerung ans Mosten

Schon als Kind habe ich den Herbst geliebt. Eine fast mystische Stimmung des Erntens und dazu gehörte auch das Mosten. Zuerst das Äpfel-Auflesen. Da habe ich gerne mitgeholfen. Hat man doch so viel schneller einen Korb gefüllt als beim Kirschenpflücken an der prallen Sonne.

Ja und dann durfte ich auf dem voll beladenen Wagen mit meinem Vater runter fahren ins Dorf zur Mosti.

Da haben gleich mehrere starke Männer zugepackt und die Äpfel aus den vollen Harassen polternd ins Wasserbad gekippt. Dann sind diese grossen Schaufeldinger angelaufen und haben die Äpfel nach oben transportiert. Schön langsam, aber gerattert hat’s und das Wasser tropfte heftig von den Schaufeln.

Von oben hat man’s gehört Mahlen und unten stand der Mosti-Chef, eingepackt in seinen riesigen, orangen Schurz (ein Bäuchlein hatte er wohl auch noch) und grossen Handschuhen. Der legt ein Sieb auf so ein Ding, das rauffahren kann und ein Tuch darüber, betätigt einen Hebel und schon fällt eine Ladung zermantschter Äpfel runter. Drauf kommt das nächste Sieb, das nächste Tuch und die nächste Ladung «Apfelmus.» Und so geht das weiter bis der Stapel fast ein Meter hoch ist. Da heisst es Halt. Die grosse Presse kommt runter, drückt alles zusammen und raus läuft der gold-gelbe Apfelsaft, runter in die grosse Wanne.

Dann geht’s rasant weiter. Ein Sieb nach dem andern wird gepackt und der Träsch in die leeren Harassen verfrachtet. Ich hab da mal probiert. Gar nicht so schlecht, halt eine etwas trockene Angelegenheit. Aber die Kühe haben das gerne gefressen.

Irgendwie ist dann der Süssmost in Vaters grosser «Büttene» gelandet und nach Hause ging’s.

Als erstes mussten wir dann in Mutters Auftrag mit dem «Mäsli «gleich einen Liter Süssmost holen. Huch, dieser frische gepresste Süssmost hat wunderbar geschmeckt. Wir haben literweise davon getrunken.

Der grosse Bottich auf dem Wagen ist dann bis zum nächsten Tag in der Scheune stehen geblieben. Dann wurde ein langer Schlauch von der «Büttene» bis in den Keller gelegt und der Most in zwei riesige Holzfässer gefüllt für Vaters sauren Most. Ich sehe heute noch die zwei kleinen, gläsernen Zylinder oben auf dem Fass, die während des Gärens geblubbert haben.

Süssmost haben wir natürlich auch gemacht, in grossen 25 L Flaschen und auf den «Suser», diese Zwischenstation des Mostes, hat die ganze Familie sehnsüchtig gewartet.

Und wenn der Ablauf so nicht ganz stimmen mag, sei mir verziehen. Es ist ganz einfach eine Kindheitserinnerung und Erinnerungen sind halt manchmal nicht so genau.

 

 

Brigitta Ramsden     25.8.18